Mittwoch, 12. Mai 2010

„in prima istanza“ - eine neue Linie in der Auslegung des dritten Teils des Geheimnisses von Fatima

Das Interview von Papst Benedikt XVI. mit den Journalisten auf dem Flug nach Portugal am Dienstag, 11. Mai 2010, in dem er auch auf den dritten Teil des Geheimnisses von Fatima einging, wurde in vielen Medien falsch übersetzt und verkürzt widergegeben. Mein gestriger Aufruf an die Übersetzer um gute Übersetzungen und damit um Rettung der beabsichtigten Aussage von Papst Benedikt XVI. zum dritten Geheimnis von Fatima war jedoch ebenfalls zu kurz. Daher komme ich der Bitte um eine notwendige Erklärung meines gestrigen Blog-Eintrags gerne nach.

kath.net/KNA schrieb gestern: „Das sogenannte dritte Geheimnis von Fatima, in dem von Angriffen auf einen in Weiß gekleideten Bischof die Rede ist, habe sich in erster Linie auf Johannes Paul II. bezogen, so Benedikt XVI.“. Andere Medien zitierten ebenfalls nicht vollständig bzw. übersetzten gleich falsch. Heute hat der Vatikan eine offizielle deutsche Übersetzung des Interviews veröffentlicht. Dort lauten die bedeutenden Worte von Papst Benedikt XVI.: „So würde ich sagen, werden auch hier über die große Vision des Leidens des Papstes hinaus, die wir in erster Linie auf Papst Johannes Paul II. beziehen können, Realitäten der Zukunft der Kirche aufgezeigt, die sich nach und nach entfalten und zeigen“.

Quelle: http://www.vatican.va/holy_father/benedict_xvi/speeches/2010/may/documents/hf_ben-xvi_spe_20100511_portogallo-interview_ge.html

Das ist eine neue Linie in der Auslegung des Fatima-Geheimnisses!

Kardinal Ratzinger legte als Präfekt der Kongregation für die Glaubenslehre im Jahres 2000 den dritten Teil des Geheimnisses von Fatima so aus: "Soweit einzelne Ereignisse dargestellt werden, gehören sie nun der Vergangenheit an.“

Quelle: http://www.vatican.va/roman_curia/congregations/cfaith/documents/rc_con_cfaith_doc_20000626_message-fatima_ge.html

Schon in einem Exklusiv-Interview auf EWTN (Eternal Word Television Network) im Rahmen der internationalen Nachrichtensendung The World Over Live im September 2003 antwortete er jedoch auf die Frage des Journalisten Raymond Arroyo, ob es möglich sein könne, dass sich die Vision auf einen späteren Papst beziehe: "Wir können das nicht ausschließen, dies ist klar...":

“Raymond: Um hum. One of your jobs here at the Congregation for the Doctrine of the Faith is investigating the Marian apparitions that occur in history and in our present age. You, in 2000, released the so-called, “Third Secret of Fatima.” And part of that revelation was that there would be a hail of bullets, the Pope would fall and appear to be dead. The Congregation interpreted that as the assassination attempt on his Holiness, John Paul II. Is it possible – and I’ve gotten many letters asking me to ask this question – is it possible that this could point to a future Pope?

Cardinal: We cannot exclude that this is clear...”

Quelle: http://www.ewtn.com/library/ISSUES/RATZINTV.HTM

Das Interview kann bei EWTN als DVD(USA Code)bestellt werden:
http://www.ewtnreligiouscatalogue.com/EWTN+EXCLUSIVE+THE+RATZINGER+INTERVIEW+-+DVD/cid=504/page_no=1/edp_no=6012/shop.axd/ProductDetails

Montag, 10. Mai 2010

Krise? Spes Salva lesen!

http://www.vatican.va/holy_father/benedict_xvi/encyclicals/documents/hf_ben-xvi_enc_20071130_spe-salvi_ge.html

In der Schule der Mönche: Stabilitas

Eines der bedeutendsten Schöpfungsworte aus der Schule der Mönche ist Benedikts Gelübde der Stabilitas, der Beständigkeit. Stabilitas meint zunächst das Bleiben am Ort, das Verharrren in der einmal gewählten Klostergemeinschaft. Stabilitas ist die Aufforderung, Bindungen einzugehen und an ihnen festzuhalten, Aufgaben, die einem im Zusammenhang gestellt sind, auch zuverlässig zu erfüllen. Stabilitas hat aber auch mit Zeit zu tun, mit Still-Stand, zur Ruhe kommen. Einmal einhalten. Letztlich: Zeit gewinnen.

Das Gebot der Stabilitas, ursprünglich ausgesprochen in der ersten Stoßzeit der europäischen Völkerwanderung als ein Halt-Wort gegen die anarchischen Prozesse des Herumziehens, wirkt für unsere Epoche nicht umsonst so spektakulär - und zugleich so wegweisend. Es ist in der Tat die aktuelle Antwort der Mönche auf die Situation des 21. Jahrhunderts. Sie ist heute kaum anders zu interpretieren als mit einer der provozierendsten Forderungen unserer Zeit: Ent-Schleunigung...

"Stabilität gehört mit zum Schwersten, was man von modernen Menschen erwarten kann", meinte der Pater..."Und überlegen Sie doch einmal, was Sie mit der Losung der Stabilitas den Menschen zurufen können:
bleib, wenn du am liebsten vor dir selbst wegrennen willst
bleib, wenn du die Schule schmeißen willst
bleib, wenn du von deiner Liebsten genug hast
bleib, wenn dich deine Familie nervt
bleib, wenn du den Job schon hinwerfen möchtest
bleib, wenn du lebensmüde bist
bleib, wenn du dein Kind eigentlich weggeben möchtest
bleib, auch wenn du todkrank bist
bleib, wenn du nicht mehr warten willst
bleib, wenn du keine Geduld mehr hast
bleib, wenn du schon aufgeben willst..."

aus: Peter Seewald, Die Schule der Mönche, Freiburg im Breisgau, 2001, S. 45-46.

Seewald zeigt: In den Klöstern haben die Quell-Codes des guten Lebens die Zeit überdauert. In seinem Vorwort dankt er neben den Mönchen, denen er begegnen durfte, nicht zuletzt Joseph Kardinal Ratzinger, dem späteren Papst Benedikt XVI., dem er viel zu verdanken habe, der ihm in langen Gesprächen einen Grundeinblick in die Lehre des Christentums vermittelt habe und damit erst die Voraussetzung schuf, die Schule der Mönche besuchen zu können.