Sonntag, 17. Oktober 2010

Wer ist ein Verbrecher?

„Wer der Jugend den Glauben aus dem Herzen reißt, ist ein Verbrecher“.

Das waren die Worte in einer Sonntagspredigt von Kaplan Gerhard Hirschfelder, Diözesan-Jugendseelsorger für die Grafschaft Glatz, Schlesien, für die er während einer abendlichen Glaubensstunde 1941 von der GESTAPO der Nationalsozialisten verhaftet und ins Konzentrationslager Dachau eingeliefert wurde.

Dort wurde aus dem Kämpfer und Priester Gottes der sacerdos et hostia, Priester und Opfer mit einem noch heute in Briefen dokumentierten, unerschütterlichem Glauben: „Unseren wirklichen seelischen Reichtum kann ja die Welt nicht erkennen ... und so kann der Christ, besonders der Priester, der immer fröhlichste Mensch sein, weil Christus, für den wir leben, nicht zu töten ist.“ (1)

Der Märtyrer Gerhard Hirschfelder wurde 1907 in Glatz in Schlesien geboren und im Januar 1932 in Breslau zum Priester geweiht. Als Jugendseelsorger erkannte er ohne die heute übliche Beauftragung externer Management-Psychologen und langer Prozesse durch Projektarbeit im Team (2) , dass der Priester ein Kämpfer gegen das Satanische zu sein hat. Nur durch Vermittlung des christlichen Glaubens und einer auf Christus augerichteten Lebensorientierung kann er Jugendlichen eine geistige Heimat in der Kirche geben und sie so gegen alle gefährlichen Ideologien widerstandsfähig machen.
Eine Zeitzeugin berichtet: „Gern denken wir an die katholischen Gruppenstunden zurück, als unser Kaplan mit Gitarre und nach besinnlichen Worten und Katechese uns bei Volksliedern begleitete und bei Gesellschaftsspielen mit machte. Der Ausklang war immer das Lied »Kein schöner Land in dieser Zeit«“ (1), (3).

Er starb dafür am 01.08.1942 entkräftet als Nr. 841 der röm.-kath. Geistlichen und als Gefangener mit Nr. 28972 im Konzentrationslager Dachau. Am 19. September 2010 wurde er von Kardinal Joachim Meisner, Erzbischof von Köln, in Münster seliggesprochen (4).


Quellen:
(1)  http://www.hirschfelder-stiftung.de/ghirschf.htm
(2) s. zur heute üblichen Beauftragung externer Partner in der Jugendseelsorge einen Artikel in der Kirchenzeitung für das Erzbistum Köln, 24.09.2010, S. 7 und die dort erwähnte Leitlinie des Kölner Diözesanjugendseelsorgers: „Jugendpastoral ist vor allem unser Dienst als Kirche an und mit den jungen Menschen, die uns in der Arbeit begegnen und für die wir Maßnahmen und Projekte entwickeln."
(3) Anmerkung der Bloggerin: Bei einer Familienfeier in Schlesien, heute Polen, mit aus Deutschland Angereisten, bei der auch die Klampfe gezückt wurde, verzichteten wir vor zwei Jahren auf Rücksichtnahme auf die neuen polnischen Bewohner auf das Singen dieses deutschen Heimatliedes. Das polnische Personal des Hotels mit guten Deutschkenntnissen konnte unsere deutsche Gesangesfreude nicht teilen und war nervös geworden. Der Märtyerer Gerhard Hirschfelder, Brückenbauer zwischen Deutschen, Polen und Tschechen, hätte das Lied gesungen, da seine irdische Heimat die ihre geworden ist. Und unser aller Heimat liegt im Himmel.
(4) Die eindrucksvolle Predigt von Kardinal Meisner unter  http://www.erzbistum-koeln.de/export/sites/erzbistum/dokumente/erzbischof/predigten/jcm_pr_100919-hirschfelder.pdf

Samstag, 9. Oktober 2010

Der Sel. John Henry Newman und der Mensch, der niemals wehtut

Heute, am Fest des Seligen John Henry Newman, sei auf seine Definition des 'Gentleman' hingewiesen. Keine Geringere als eine Schutzpatronin Europas, die Heilige Edith Stein, übersetzte schon in den 20-er Jahren seine Worte ins Deutsche:

„Daher kommt es, dass man fast die Definition eines „gentleman" gibt, wenn man sagt, er ist ein Mensch, der niemals wehtut... Er ist hauptsächlich damit beschäftigt, nur die Hindernisse zu beseitigen, die dem freien und ungehemmten Sichauswirken der Menschen um ihn herum im Wege stehen; und er kommt lieber ihren Bewegungen zu Hilfe, als dass er selbst die Initiative ergreift. Seine Gefälligkeiten können dem an die Seite gesellt werden, was man Bequemlichkeiten oder Annehmlichkeiten bei der Ordnung der persönlichen Verhältnisse nennt: wie ein bequemer Stuhl oder ein gutes Feuer... Der wahre Gentleman vermeidet in gleicher Weise sorgfältig alles, was nur einen Anstoß oder Misston in den Seelen derer hervorrufen kann, mit denen er zusammgeführt wird - allen Zwiespalt der Meinungen, allen Zusammenstoß der Gefühle, allen Zwang oder Argwohn oder Düsterkeit oder Groll, da es sein großes Ziel ist, es jedermann angenehm und wie zu Hause zu machen. Er hat ein Auge für alle, mit denen er verkehrt; er ist zartfühlend gegen den Verschämten, freundlich gegen den Zurückhaltenden und barmherzig gegen den Sonderling; er kann daran denken, mit wem er spricht;..." *

Bleibt die Hoffnung, dass sich mit heutigen GENTLEMEN eine neue Newman-Bewegung bildet.

* Die Übersetzung des Textes von John Henry Newman durch die Heilige Edith Stein stammt aus der Kirchenzeitung für das Erzbistum Köln, 38/2010, S. 14.