Samstag, 17. September 2011

17. September Fest St. Hildegardis, große deutsche Frau, Äbtissin, Patronin der Heilkunst, Sprachforscher, Naturwissenschaftler, Esperantist, Jungfrau, Klostergründerin, Prophetin, Mystikerin

Die Weisheit spricht

„Eine tüchtige Frau, wer wird sie finden? Ihr Wert geht weit über Korallen. Es vertraut auf sie das Herz ihres Gatten, und es fehlt ihm nicht an Gewinn. Sie tut ihm Gutes an und nie Böses, alle Tage ihres Lebens. Sie sieht sich um nach Wolle und Flachs, und was ihren Händen gefällt, das schafft sie an. Sie ist gerüstet gleich den Schiffen des Kaufmanns, und von weit her schafft sie die Nahrung heran" (Sprüche 31, 10-14).

Diese Worte wollen so verstanden sein: Ein Mensch, der treu erfunden werden will, lege die weibische Schwäche ab und greife nach mannhafter Stärke, die er zu seiner zweiten Natur machen sollte. Dann erhebt sich sein Ruhm weithin an Ehren, und von den äußersten Grenzen her erwirbt er sich guten Ruf. Seiner guten Werke wegen wird Gott verherrlicht. Daher sollen ihr Vertrauen auf ihn alle werfen, die größere Macht haben, so daß sie ihm die Ehre geben. Denn er braucht nicht die üble Plünderung einer Ausbeutung, da er sich keinerlei Ehre fälschlich aneignet. Und so werden ihm die guten Verdienste anstelle der üblen Gewinne zurückerstattet, solange er bei seinen guten Taten bleibt. Jedem Mitmenschen wie auch sich selber erwirbt er mit seinem rechtmäßigem Schaffen ein Werk der Treue. Er sucht in allem Tun die Milde wie die Härte, wohl wissend, wo er weich und wo er hart sein muß, da er immerzu eifrig bedenkt, was einem jeden in seiner Haltung wie Handlung wohl bekomme...


aus: Hildegard von Bingen, LIBER VITAE MERITORUM (Der Mensch in der Verantwortung - Das Buch der Lebensverdienste), nach den Quellen übersetzt und erläutert von Heinrich Schipperges, Salzburg, 1985, S. 196 ff


Gebet:
O Gott, Du tauchtest die Heilige Hildegard in das Geheimnis des dreieinigen Gottes und schmücktest sie mit himmlischen Gaben. Erfülle auch unser Leben mit Deinem Licht und laß uns ihrer Spur und ihrem Leben beharrlich folgen und dadurch würdig werden, aus dem Düster dieser Welt hinüberzugehen in Dein wonnigliches Licht durch Christus, unseren Herrn. Amen.